"Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter." - Jesus spricht zu einem reichen Mann im Markus-Evangelium (10, 21-22)
Wie viele Gegenstände besitzt du?
Willst du weniger oder mehr besitzen?
"Die ganze Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete etwas von seinem Besitz als privates Eigentum. Was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam." - Apostelgeschichte 4:32
Viele Menschen sehen in der Befreiung vom materiellen Besitz (ich nenne es Dematerialisierung des Lebens) nur Nachteile. Dann kommen solche Aussagen:
Ich habe all diese Aussagen in meinem Umfeld gehört. Und ich kann sie aus der Perspektive eines Ottonormalverbrauchers komplett nachvollziehen. Aus der Perspektive eines extremen Minimalisten dagegen, machen sie für mich gar keinen Sinn. Es sind für mich Dinge, auf die ich einfach nicht angewiesen bin und die mein Leben nur zusätzlich belasten würden, denn alles was ich nicht besitze, um das muss ich mir keine Sorgen machen. Ich muss es nicht kaufen, reparieren, pflegen, transportieren, verkaufen oder entsorgen.
Die enormen positiven Effekte, die sich durch durch materielle Entgiftung ergeben, sind den meisten Menschen, die im Hamsterrad des materiellen Konsums laufen, nicht bewusst. Und was viel tragischer ist: Den meisten Menschen sind auch die negativen Effekte eines vergifteten Lebens nicht bewusst.
Fragst du dich nicht manchmal, warum es dir emotional schlecht geht, spürst du eine Leere in dir, fühlst du dich ständig gestresst oder bist einfach mit deiner Lebenssituation überfordert und du hast keine konkrete Antwort darauf? Dann könnte es an dem materiellen Ballast liegen, der unbewusst im Hintergrund dein gesamtes Leben vergiftet. Alle materiellen Besitztümer, die du gerade hast oder irgendwann hattest, vergiften dein Leben bewusst sowie unbewusst. Wie der Ring von Sauron ergreift jeder Gegenstand den Besitz von dir. Manche sehr stark. Dann bist nicht in der Lage den Gegenstand loszuwerden. Es tut möglicherweise weh den loszuwerden oder du bist davon überzeugt, dass du es brauchst oder du kannst ohne den Gegenstand nicht gut leben, weil du es tagtäglich benutzt. Alle Gegenstände, die du nicht einfach so wegminimalisieren kannst, sind Gegenstände, die dich besitzen und nicht du sie. In meinem Fall ist es beispielsweise mein Laptop.
Egal, welchen Lebensstil wir leben, wir alle wollen, dass unser Lebensstil uns immaterielles Reichtum beschert, wie zum Beispiel mehr Freizeit, finanzielle Unabhängigkeit, Gesundheit, Anerkennung von Freunden und Kollegen, weniger Sorgen und mehr Zufriedenheit im Leben. Schauen wir uns konkret an, wie dein materieller Besitz dich dieses immateriellen Reichtums beraubt.
Allein durch die Existenz manipuliert ein Gegenstand bewusst und unbewusst deine Stimmung.
Beispiel: Wenn meine Mutter das Foto ihrer verstorbenen Mutter sieht, fängt sie sofort an zu weinen (negative Beeinflussung). Jedes Mal, wenn du die Halskette anziehst, die dir dein Freund geschenkt hast, bekommst du ein schönes Gefühl (positive Beeinflussung).
Durch visuelle Wahrnehmung erzeugt es Gedanken in dir und lenkt dich ab. Es verringert damit deine Aufmerksamkeit. Wenn dir regelmäßig die Frage »Was wollte ich nochmal?« stellst, liegt es sehr wahrscheinlich an den von dem materiellen Ballast erzeugte Ablenkung.
Beispiel: Du willst für die Prüfung lernen. Unterwegs in dein Zimmer siehst du Bücher, die du noch schnell in die Regale einräumst. Plötzlich vibriert dein Handy. Eine Nachricht von deinem Freund, die du noch schnell beantwortest. Du siehst noch die herumliegenden Socken deines Freundes. Verärgert räumst du sie weg. Du hast vergessen, was du eigentlich tun wolltest.
Es bringt dich aus der Gegenwart in die positive oder negative Vergangenheit (Nostalgie, Grübelei) oder Zukunft (Träumerei, Sorgen, Zweifel). Und du weißt, was das Leben nicht im Hier und Jetzt, sondern in der Vergangenheit oder in der Zukunft mit der Lebenszufriedenheit bewirkt.
Beispiel: Ein Gemälde, das du damals, während deiner Reise gekauft hast, hängt an der Wand im Wohnzimmer. Jedes Mal, wenn du dich aufm Sofa im Wohnzimmer setzt, zieht das Gemälde deine Aufmerksamkeit auf sich und du fängst nostalgisch zurück an die Reise zu denken (Aus dem Jetzt in die Vergangenheit). Du hast ein Visionboard für deine Ziele gebastelt und an die Wand im Schlafzimmer gehängt. Wenn du im Bett liegst, zieht es deine Aufmerksamkeit auf sich. Trotz des anfänglichen Optimismus, liegst du nun da und stellst fest, dass du die Ziele aus den Augen verloren hast und keine Motivation hast, sie zu erreichen. Du fühlst dich enttäuscht und fängst über deine Zukunft nachzugrübeln.
Es erzeugt unnötige Arbeit, beraubt dich deiner Zeit, deines Geldes und deiner Gesundheit. Ein Gegenstand erzeugt genau die gegenteiligen Effekte.
Beispiel: Du hast ein Auto gekauft. Du freust dich, denn du musstest viel Geld erarbeiten, um das Auto zu kaufen (Geld für materiellen Besitz aufopfern). Du musst eine Kfz-Versicherung abschließen (Finanzielle Verpflichtung für das Materielle eingehen). Dein Auto musst du selbst fahren, also eine Tätigkeit ausführen, die das Leben gar nicht bereichert oder einen nicht zu den eigenen Zielen näherbringt. Selbst, wenn du das Autofahren liebst, so ist sinnvoller den Lamborghini auszuleihen (Freizeit für materiellen Besitz aufopfern). Du musst dein Auto ständig tanken, um es benutzen zu können. Du musst in der Stadt einen Parkplatz für dein Auto suchen und manchmal dafür bezahlen. Du ärgerst dich über die Spritpreise oder fehlenden Parkplatz (Erzeugung von Stress durch den materiellen Besitz). Du musst dein Auto pflegen (waschen, aufräumen, staubsaugen). Du musst dich um die Reparatur kümmern, wenn dein Auto kaputt geht. Du warst mit deinem Auto in einem Unfall verwickelt, bei dem du Schuld warst und wegen dir ein anderer Mensch gestorben ist (traumatischer Schaden durch materiellen Besitz).
Durch die genannten negativen Effekte erschwert dir ein Gegenstand den Weg zum immateriellen Reichtum. Du läufst weiter in dem Hamsterrad des materiellen Konsums und verstärkst nur noch weiter die obigen Effekte. Und erst am Ende des Leben realisierst du es, so wie alle materiell vergiftete Menschen am Ende ihres Lebens. Weißt du, was die Menschen kurz vor ihrem Tod sagen? Niemand sagt: »Ich wünschte, ich hätte mir damals das neues IPhone gekauft« oder »Ich wünschte, ich hätte mehr Geld gehabt«. Die Menschen kurz vor dem Tod sagen:
All diese immateriellen Wünsche werden durch materielle Vergiftung erschwert. Die negative Auswirkung auf das immaterielle Reichtum wird bereits durch einen einzigen Gegenstand erzeugt, den du besitzt. Was glaubst du wie viele Vergifter du insgesamt in deinem Leben angehäuft hast?
Vor der Entgiftung besaß ich schätzungsweise über 1500 Gegenstände. Das ist eine 1500x stärkere materielle Vergiftung als die, die von einem einzigen Gegenstand ausgeht! Diese Zahl ist übertrieben denkst du wahrscheinlich. Natürlich stellen unbedeutendere Besitztümer kleineren, kaum merkbare Vergiftung dar, andere dagegen eine deutlich merkbare. Die Befreiung von einem kleinen materiellen Ballast ist auf den ersten Blick unnötig, ergibt jedoch in der Summe eine sehr spürbare materielle Entgiftung, die ich nach meiner Erfahrung sicher bestätigen kann.
»Gut. Ich bin überzeugt«, denkst du, »dann befreie ich mich von dem materiellen Ballast und lebe dann in einem immateriellen Schlaraffenland voller Zufriedenheit und materieller Freiheit«. Ich muss dich leider aus zwei Gründen enttäuschen:
Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass wenn du den materiellen Ballast nicht siehst (indem du es auf dem Dachboden, Abstellraum, Keller oder Garage verstaust), dass es die obigen negativen Effekte nicht mehr auf dich ausübt. Vergangene Besitztümer hinterlassen spuren. Selbst, wenn man den materiellen Ballast wegminimalisiert, also gar nicht mehr besitzt, bleibt er noch lange Zeit in deinem Unterbewusstsein und vergiftet dich psychisch weiter. Manche Gegenstände vergiften uns so extrem, dass es unmöglich ist, sie jemals zu vergessen. Ich kann dich aber in dieser Hinsicht ermuntern: Sobald du dein Leben maximal entgiftet hast, wirst du die Gewohnheit haben erst gar nicht vergiftende Besitztümer zu erwerben.
Was ist mit den vergangen und gegenwärtigen Besitztümern, die positive Gefühle in einem hervorrufen? Solche Besitztümer sind zwar weniger »giftig«, aber auch sie können zum Sauron's Ring werden. Ein Beispiel aus meinem Leben: Meine große Liebe, Jule, hat mir zum Geburtstag ein Fahrrad geschenkt. Sie hat es sogar in meiner Wunschfarbe, Gelb, gestrichen und sogar meine Website auf den Rahmen draufgepinselt. Ich habe das Fahrrad geliebt. Ein paar Jahre später ist unsere Beziehung zerbrochen. Seit dem, wenn ich das Fahrrad gefahren bin oder es allein angesehen habe, hat es bei mir mal leichte, mal intensivere Traurigkeit ausgelöst. Ein Gegenstand, dass positive Gefühle verursacht hat, erzeugt nun negative Gefühle. Deshalb bin ich dieses Fahrrad losgeworden. Die Erinnerung an das Fahrrad, jetzt wo ich sie für diesen Abschnitt herausgrabe, wird mich aber wahrscheinlich mein ganzes Leben lang begleiten. Es ist wie eine Erinnerungsnarbe, die ich nicht mehr komplett loswerden, sondern nur verdrängen kann. Sogar wenn ich ein gelbes Fahrrad mit einer schwarzen Schrift auf dem Rahmen auf der Straße an mir vorbeifahren sehe, denke ich es ist mein Fahrrad. Die Gedanken an Jule kommen hoch.
Ein anderes Beispiel. Mein Opa hat mir damals in Russland eine silberne Kreuzkette geschenkt. Ich habe sie immer gern getragen. Irgendwann ist Opa gestorben und es hat mich einige Monate belastet. Nach dem Duschen habe ich die Halskette aufgesetzt. Ich habe mich in diesem Moment traurig gefühlt, aber ich habe nicht an das Kreuz gedacht, sondern an meinen Opa. Es war mir in dem Moment noch nicht bewusst, dass es das Kreuz ist, die die Ursache für mein plötzliches trauriges Gemüt ist und nicht der Gedanke an Opa. Der Gedanke ist nur die Folge der visuellen Wahrnehmung meiner Halskette. Auch hier: Ein positiv wirkender Gegenstand ist zu einem belastenden geworden.
Verstehst du jetzt, warum es schädlich ist, überhaupt gefühlserzeugende Dinge anzunehmen und zu besitzen?
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